Ehrenpreis 2017

Bruno Ganz

Bruno Ganz erhält den Ehrenpreis 

 

Bruno Ganz ist einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schauspieler, vielfach preisgekrönt und im internationalen Film- wie auch Theatergeschehen in unzähligen Produktionen anzutreffen. Er ist ein Schauspieler, der nicht in eine Rolle hineinschlüpft, sondern seine Rollen in sich aufnimmt, sie liebt und lebt. Ein Schauspieler, dem Firlefanz und Stargehabe zuwider sind. Ein Schauspieler, der nicht schauspielert. Ein Schauspieler eben, der eigentlich kein Schauspieler ist. Einer, der nicht tut, als „wäre“ es, sondern einer, der tut, wie es ist. Es sind die verschiedenen Charakteren, die Bruno Ganz mit Leben füllt. Der Ehrenpreis ist die Anerkennung für sein enormes Schaffen, das bis heute und darüber hinaus Bestand hat und aussergewöhnlich ist.

 

Würdigung Bruno Ganz

 

Natürlich sind es nicht nur die Augen. Auch wenn ihre Wärme den leicht spöttisch verzogenen Mund Lügen straft, unterstützt von unzähligen Lachfalten. Das Gesicht von Bruno Ganz trägt hunderte von Rollen mit sich. Bevor er etwas sagt, schaut mich Jakob Nüssli an, aus Kurt Gloors «Der Erfinder» von 1981, mit dieser Mischung aus Begeisterung und verzweifelter Trauer. Oder das Staunen des Jonathan Harker, der in Werner Herzogs «Nosferatu»-Remake von 1979 die gefährliche Einsamkeit von Klaus Kinskis Graf Dracula erkennt. Es war ein langer, konsequent eigenwilliger Weg vom jungen Zürcher Bühnenschauspieler zum Träger des Iffland-Rings, zum gefeierten Faust in Peter Steins epochaler Hannoveraner Inszenierung, oder zum Engel in Wim Wenders’ «Der Himmel über Berlin».

 

Seit 2004 kennt ihn auch der Rest der Welt. Da hat Bruno Ganz Adolf Hitler gespielt in «Der Untergang» – so eindrücklich, dass sich seither laufend neue absurd untertitelte Versionen seines Bunker-Wutanfalls im Internet verbreiten. Diese Rolle zu spielen, der weder mit Realismus noch mit Pathos beizukommen ist, war des Schauspielers eigene Version von «Faust»: Ein Höllensturz zum Ruhm.

 

Bruno Ganz kann pathetisch. Er kann rührend. Er kann rührselig und sentimental und widerlich kompetent in einem, mit seinen Augen und seiner Stimme und den Lachfalten und dem spöttisch-verzweifelten Zug um den Mund, bis es Dir als Zuschauer nicht mehr gelingt, auf einen einzigen Aspekt der Figur zu fokussieren. Und dann hat er Dich. Ganz.

 

Michael Sennhauser, Filmjournalist

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